Im Einsatz gegen Fake News
In Kooperation mit CORRECTIV bietet die Deutsche Jugendfeuerwehr Medienkompetenztrainings an, um Desinformation besser erkennbar zu machen.
30. März 2026Teilen
Die Freiwillige Feuerwehr ist offline richtig stark. Doch um auch in der digitalen Welt eine starke Stimme zu haben, sind Wissen, Strategien und Kompetenzen im Umgang mit Social Media und Desinformation entscheidend, denn digitale Falschinformationen betreffen zunehmend auch die Feuerwehr.
In der Online-Fortbildung „DFV direkt“ des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) stellten Lara Grewe und Marlene Obst mehr als 400 interessierten Feuerwehrangehörigen aus ganz Deutschland vor, welche Mechanismen hinter Desinformation stecken, wie Fake News erkannt und Fakten gecheckt werden können. Die beiden Journalistinnen vom Medienhaus „CORRECTIV – Recherchen für die Gesellschaft“ engagieren sich besonders für die Aufklärung in diesem Bereich. Schon seit Januar 2025 realisieren sie gemeinsam mit der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF) das Projekt „Brandherd Desinformation“.
Fake News untergraben Vertrauen in Einsatzkräfte
Die Referentinnen stellten zunächst den Hintergrund vor: Studien zeigen, dass 15-Jährige in Deutschland durchschnittlich rund sieben Stunden täglich an ihrem Smartphone verbringen. Einen Großteil ihrer Informationen beziehen sie über Social-Media-Plattformen. Zugleich geben 30 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien an, bereits auf politische Fake News hereingefallen zu sein.
Warum ist dies für die Feuerwehr relevant? Desinformation zielt häufig darauf ab, das Vertrauen in Gesellschaft und Demokratie zu schwächen. Als öffentliche Organisation gerät dabei auch die Feuerwehr ins Visier. Durch Hass und Hetze wird das Vertrauen in die Einsatzkräfte untergraben; Fake News können sogar Einsätze behindern.
Erkennen von Desinformation
Grewe und Obst erläuterten den Aufbau von falschen Nachrichten: Menschen glaubten Fake News besonders dann, wenn sie sie emotional ansprächen, häufig wiederholt würden, bestehende Überzeugungen bestätigten oder von vielen anderen geliked würden. Deshalb sei es wichtig, sich beim Scrollen im Netz Fragen zu stellen wie: Werden hier gezielt Emotionen angesprochen? Wird in Extremen argumentiert oder Dramatik erzeugt? Werden Quellen genannt – und sind diese glaubwürdig? Baut der Beitrag ein Feindbild auf?
Auch Inhalte, die besonders eindeutig, einfach und glatt erscheinen, sollten kritisch überprüft werden. Spontanes und unbedachtes Teilen trüge hingegen zur weiteren Verbreitung von Fake News bei. „Was einmal in der Welt ist, lässt sich nur schwer wieder einfangen“, so die Expertinnen.
Den tatsächlichen Kontext überprüfen
Beim Erkennen von Desinformation helfen laut den Journalistinnen Recherchen in etablierten Leitmedien oder bei öffentlichen Behörden. Insbesondere bei Fotos und Videos könnten Ungereimtheiten an Fingern, Haaren oder Bewegungen sowie fehlerhafte Objekte Hinweise auf Manipulation sein. Auch eine Bilderrückwärtssuche könne dabei helfen, den tatsächlichen Kontext von Aufnahmen zu überprüfen.
Um Fake News aktiv zu begegnen, könne ein Link zu einem Faktencheck in den Kommentaren geteilt werden. Rechtswidrige Inhalte sollten zudem über die Meldefunktionen der Social-Media-Plattformen gemeldet werden.
Fehleranfälligkeit von Chatbots
In der Fortbildung wurde außerdem kurz auf die Fehleranfälligkeit von Chatbots eingegangen. Dabei betonten die Referentinnen, dass Anwendungen wie ChatGPT oder Gemini keine Denkmaschinen seien, sondern Vorhersagemodelle: Sie berechneten, welches Wort wahrscheinlich folge – nicht, ob eine Aussage inhaltlich korrekt sei.
Projekt „Brandherd Desinformation“ mit der Deutschen Jugendfeuerwehr
Im Januar 2025 startete das Projekt mit dem Ziel, junge Menschen in Nachrichten- und Quellenkompetenz zu stärken und zivilgesellschaftliche Organisationen im Umgang mit Desinformation zu unterstützen. Das Projekt findet bundesweit bei sieben Jugendfeuerwehren statt. In drei Workshops lernen die Jugendlichen, selbst zu recherchieren, seriöse Quellen zu erkennen und eigene Beiträge zu gestalten – und können dabei auch Einblicke in ihre Arbeit bei der Jugendfeuerwehr geben.
Das Projekt wird gefördert vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Einblicke in die Projektarbeit sowie frei verfügbares Material zur Umsetzung von Medienkompetenz-Angeboten finden sich auf der Projektwebsite .
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