Vom Kutschenbauer zum innovativen Krankenwagen-Hersteller
Mit einem „1-PS-Hafermotor“ fing alles an. Vom rumpelnden Pferdefuhrwerk zum hochmodernen „Intensivzimmer auf Rädern“: Die Geschichte des Krankenwagenbaus ist ein spannendes Spiegelbild des medizinischen und technischen Fortschritts. Was im 19. Jahrhundert als einfaches Transportmittel für Kranke und Verletzte begann, hat sich zu einem hochspezialisierten Lebensretter entwickelt. In Deutschland sind zwei Unternehmen früh dabei und haben maßgeblich die Geschichte geprägt: Miesen und BINZ.
11. Mai 2026Teilen
Miesen machte den Anfang
Die Geschichte der heutigen C. Miesen GmbH & Co. KG begann am 1. Juni 1870. Damals, vor 156 Jahren, gründete der Wagenschmied Christian Miesen in Bonn eine kleine Wagen- und Stellmacherwerkstatt. Während Industrialisierung, Eisenbahnbau und gesellschaftlicher Wandel Deutschland prägten, begann Miesen mit dem Bau individueller Pferdekutschen, Anhänger und Pritschenwagen. Neben klassischen Fahrzeugen entstanden erste Lösungen für den Krankentransport, darunter Rädertragen und später pferdebespannte Krankenkutschen.
Um die Jahrhundertwende wuchs das Unternehmen deutlich. 1901 zog die Wagenfabrik nach Bonn-Dottendorf – über viele Jahrzehnte ein weltweit bekannter Produktionsstandort. Im selben Jahr lieferte Miesen den ersten pferdebespannten Krankenwagen an die Stadt Bonn – augenzwinkernd beschrieben als Fahrzeug mit einem „1- PS-Hafermotor“.
Schon vier Jahre später entstanden hier motorisierte Lieferwagen, Feuerwehrfahrzeuge, Krankenwagen und Kranken-Omnibusse. Miesen entwickelte sich zunehmend zu einem Spezialhersteller für Krankenkraftwagen. Schon vor 1910 wurden Krankentransportfahrzeuge bis nach Chile exportiert. Damit begann die internationale Ausrichtung, die das Unternehmen bis heute prägt.
Immer wieder war Miesen an wichtigen Entwicklungsschritten im Rettungswesen beteiligt. Ein Beispiel: der fahrbare Gesundheitsraum von 1926, der als mobile Zahnklinik oder Operationsraum genutzt werden konnte. Er hatte bereits Wasser- und Stromanschlüsse, Sterilisation, Behandlungsstuhl, Instrumentenschränke, Heizung und medizinische Beleuchtung.
In den 1930er-Jahren spielte das Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einheitlicher Sanitätsfahrzeuge. In dieser Zeit entstand auch einer der ersten standardisierten Krankenwagen. Die Fahrzeuge wurden auf verschiedenen Fahrgestellen aufgebaut und galten technisch als richtungsweisend. Gleichzeitig wuchs der Export nach Europa und in viele weitere Länder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte Miesen vom hohen Bedarf an neuen Krankenwagen
In manchen Jahren wurden bis zu 800 bis 1.200 Fahrzeuge gebaut und ausgeliefert. Ein bedeutender Meilenstein war der Bau früher Notarztwagen (NAW). Bereits 1957 entstand in Zusammenarbeit mit Kölner Medizinern ein NAW, der lebensrettende Sofortmaßnahmen direkt im Fahrzeug möglich machte und damit heutigen Rettungswagen stark ähnelte.
Auch für besondere Einsatzlagen entwickelte Miesen Lösungen: Großraum-Krankenwagen, Rettungsbusse, Baby-Notarztwagen, Infektions-Krankentransportwagen, Herzinfarkt-Mobile, Feuerwehrfahrzeuge, Sanitätspanzer, mobile Kliniken, Blutspendefahrzeuge, Veterinärkliniken, Bestattungsfahrzeuge und sogar medizinische Räume auf Feuerlöschbooten.
Besonders bekannt wurde Miesen international durch die Baureihe „Bonna“. Der Hoch-Lang-Krankentransportwagen setzte von den 1960er-Jahren an neue Maßstäbe. Geliefert wurde rund um den Globus: nach China, in südamerikanische und afrikanische Länder, in den Nahen Osten, aber auch in das europäische Ausland. Im ersten Halbjahr 1983 machte der Export 60 Prozent der Fertigung aus.
Trotz der Erfolgsgeschichte geriet das Unternehmen Anfang der 2000er-Jahre wirtschaftlich unter Druck. Konkurrenz, schwierige Marktbedingungen und Liquiditätsprobleme führten dazu, dass die Christian Miesen GmbH im März 2004 Insolvenz anmelden musste. Nach einer Umstrukturierung nahm die neue C. Miesen GmbH & Co. KG am 1. April 2005 unter der Leitung von Jürgen Krupp den Betrieb wieder auf. Das Unternehmen knüpfte an die Tradition des Familienbetriebs an, modernisierte seine Strukturen und gewann wieder Aufträge im In- und Ausland. 2012 wurde in Bonn eine moderne Fertigungshalle mit einer Gesamtfläche von rund 35.000 Quadratmetern in Betrieb genommen. 2018 erhielt Miesen den größten Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte: 800 Krankenwagen für den Iran verließen das Bonner Werk. 2019 eröffnete Miesen zusätzlich einen Produktionsstandort in Dürnau im Landkreis Göppingen und erweiterte das Portfolio um hochwertige Bestattungswagen.
Heute arbeiten an den Standorten Bonn und Dürnau rund 200 qualifizierte und erfahrene Mitarbeitende an der Entwicklung und Fertigung moderner Sonderfahrzeuge. Aber auch international ist Miesen präsent, um länderspezifische Anforderungen und individuelle Kundenwünsche zu erfüllen.
Ein aktuelles Zukunftsprojekt ist die strategische Partnerschaft mit RMRH – Trop’s Innovations System GmbH. Seit 2025 übernimmt Miesen exklusiv die Vermarktung des patentierten RMRH-Wechsellader-Systems, das in weniger als fünf Minuten automatisch aufgebaut und von nur einer Person überwacht werden kann. Es ermöglicht die Versorgung von bis zu 16 Patienten auf DIN-Tragen oder 12 Intensivpatienten und verfügt über eine integrierte Stromversorgung, Sauerstoffanlage sowie modernste medizinische Infrastruktur. Es bietet optimale Arbeitsbedingungen durch helle Beleuchtung, integrierte Anschlüsse und geschützte Arbeitsbereiche.
Dank seiner modularen Erweiterbarkeit kann es flexibel als mobile Intensivstation, Sanitätsstation, Evakuierungszentrum, Impfzentrum oder auch präventiv bei Großveranstaltungen eingesetzt werden.
„Auf der INTERSCHUTZ 2026 präsentieren wir ein breites Portfolio moderner Einsatzfahrzeuge und Systemlösungen für Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz. Unser Fokus liegt dabei auf innovativen, praxisorientierten Konzepten, die maximale Effizienz, Flexibilität und Einsatzbereitschaft gewährleisten, darunter RTW, NEF, ELW und das RMRH-System als besonderes Highlight“, kündigt Kai Augsburg, Assistent der Geschäftsführung, an.
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