Richtige Pflege will gelernt sein
Wie Freiwillige für die Unterstützung der Profis fit gemacht werden.
10. März 2026Teilen
Nicht erst die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal vor fünf Jahren hat es gezeigt: Bei Großeinsätzen stehen Rettungsdienste, Feuerwehren, THW und auch die Bundeswehr zunächst im Fokus. Doch spätestens nach der Akutphase beginnt die eigentliche Daueraufgabe: Menschen versorgen, beruhigen, begleiten und pflegen. Hier kommen Pflegeunterstützungskräfte ins Spiel – Helfer, die pflegerische Aufgaben übernehmen können und professionelle Pflegefachkräfte entlasten. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Zivil- und Katastrophenschutzes. Denn schnell kommen professionelle Pflegekräfte an ihre Kapazitätsgrenzen.
Ausbildung von Pflegeunterstützungskräften
Das Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz sieht vor, die Ausbildung solcher Pflegeunterstützungskräfte zu fördern. Langfristig soll etwa ein Prozent der Bevölkerung für diese Aufgabe geschult werden. Dabei geht es um sogenannte ungebundene Helferinnen und Helfer, die nicht einer Hilfsorganisation angehören. Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, zeigt ein Beispiel des Deutschen Roten Kreuzes. So hat die Fachabteilung II Nationale Hilfsgesellschaft des DRK-Landesverbandes Niedersachsen gemeinsam mit examinierten Pflegekräften und Praxisanleiterinnen und -anleitern aus den Kreisverbänden Wolfsburg und Verden bereits drei solcher Lehrgänge durchgeführt.
Schneller Einsatz durch bundesweite Zentralstellen
Zielgruppe waren Freiwilligendienstleistende, die damit künftig in außerordentlichen Notlagen als Unterstützung von Pflegefachkräften qualifiziert sind. Ihre Daten sollen in einer bundesweiten Zentralstelle erfasst werden, um sie im Bedarfsfall gezielt einsetzen zu können. Der Lehrgang umfasst 30 Unterrichtsstunden und erstreckt sich über drei Tage. Etwa 20 Ausbilderinnen und Ausbilder sind mittlerweile in den niedersächsischen DRK-Kreisverbänden für den Bereich der Pflegeunterstützung qualifiziert worden.
Verschiedene Lehrgangsmodule
Unabhängig davon bietet das DRK ein weiteres Lehrgangsmodul mit dem Titel „Pflegeunterstützung im Betreuungsdienst“ für Mitglieder der DRK-Bereitschaften an. Es wird von dreijährig examinierten Kräften aus der Kinder-, Kranken- oder Altenpflege durchgeführt.
Im Gegensatz zu den Bereitschaftsmitgliedern bringen die Teilnehmenden aus dem Freiwilligendienst im Allgemeinen keine Einsatzerfahrungen mit und sind überwiegend jünger. „Daher widmen wir uns neben den pflegerischen Themen auch Grundlagen aus dem Bereich des Zivil- und Katastrophenschutzes sowie der Bereitschaftsarbeit“, erläutert Peggy Kempf, die gemeinsam mit Jörg Suckert und seiner Frau Alexandra vom DRK Verden die ersten Kurse leitet. Jörg Suckert ist ausgebildeter Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege sowie gelernter Altenpfleger und Notfallsanitäter. Außerdem engagiert er sich für den DRK-Landesverband Niedersachsen als Ausbilder für Betreuung, Sanitätsdienst und Pflegeunterstützung. Seine Frau Alexandra bringt Erfahrungen als Krankenschwester und pflegende Angehörige mit. Auch engagiert sie sich ehrenamtlich als Sanitäterin beim Roten Kreuz.
„Ich finde es wichtig, junge Menschen an das Thema Pflege heranzuführen. Wir haben im Bevölkerungsschutz, in der Pandemie zum Beispiel, schon erlebt, wie schnell die berufliche Pflege an ihre Grenzen kommen kann“, gibt Jörg Suckert zu bedenken. Wir haben auch gesehen, wie Unterstützung sowohl in Krankenhäusern als auch in Pflegeheimen durch ehrenamtliches Personal erforderlich wurde. Das ist in besonderen Lagen, Evakuierungseinsätzen und ähnlichem ebenfalls so.“
Umfangreiche Einblicke in die Pflege
Die ersten Lehrgangs-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer haben von den drei engagierten Lehrkräften schon einiges gelernt: Wie man mit Pflegebedürftigen kommunizieren sollte und wie sich die Rolle von Pflegeunterstützungskräften gestaltet. Auch Bestandteile des Zivil- und Katastrophenschutzes wurden besprochen. Auf dem Plan stehen noch Körperpflege bei Bettlägerigen, Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, Mundpflege und Techniken der Lagerung sowie auch der Umlagerung etwa von einer Trage auf ein Bett und Mobilisationstechniken. Zum Programm gehören auch Selbsterfahrungsübungen. So können die Mitwirkenden Geräte wie Rollatoren und Rollstühle auch selbst einmal nutzen oder mit Hilfe einer Verdunklungsbrille erfahren, wie sich für Menschen mit einer Sehbehinderung die Wahrnehmung ändert.
Behandelt wird auch das Thema Notdurft – mit allen Hilfsmitteln wie verschiedene Nierenschalen, Urinbehälter und Bettpfannen in Einwegmaterial und Pulver zum Eindicken und gegen Geruchsentwicklung.
Die ersten Erfahrungen mit den Lernenden sind nach Angaben der Organisatoren überaus positiv. „Sie haben super mitgemacht, waren sehr wissbegierig und hatten keine Scheu, die Übungen wechselseitig auszuprobieren. Denn bei einigen Themen bestehen schon Berührungsängste, wenn man noch keinen Bezug zur Pflege von Menschen hatte. Diese zu überwinden – dazu konnten wir mit dem Lehrgang auch beitragen.“
Das DRK ist auf der INTERSCHUTZ im Bereich Rettungswesen in Halle 26 (Stände G39 und G29) und im Bereich Bevölkerungsschutz in Halle 17 (Stände E62 und F62) vertreten.
Impressionen Lehrgang
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