Millionen Fernsehzuschauer kennen und lieben die Erfolgsserie „Die Bergretter“, in der spektakuläre Helikoptermanöver, waghalsige Kletteraktionen und dramatische Rettungen für Hochspannung sorgen.

Realität hinter der Fiktion

Doch hinter der Fiktion steht eine Realität, die oft kaum weniger atemberaubend ist: echte Einsatzkräfte, die mit Mut und Teamgeist helfen. Nicht nur in der bizarren Hochgebirgswelt Österreichs und der Bayerischen Alpen, sondern auch in den deutschen Mittelgebirgen und anderen schwer zugänglichen Regionen ist die Bergwacht des Roten Kreuzes aktiv und leistet einen wichtigen Beitrag zum Bevölkerungsschutz – zum Beispiel in Niedersachsen. Hier unterhält der DRK-Kreisverband Osterode-Goslar in den Bereitschaften St. Andreasberg, Vienenburg, Clausthal-Zellerfeld und Langelsheim vier Bergwachtgruppen mit 80 ehrenamtlichen Kräften.

Mehr als 35 Menschen pro Tag benötigen notfallmedizinische Versorgung

Insgesamt rund 12.000 Menschen engagieren sich bundesweit ehrenamtlich Tag für Tag in der Bergwacht des Deutschen Roten Kreuzes. Wo andere Rettungsdienste an ihre Grenzen stoßen, retten die Männer und Frauen Menschen aus steilem, felsigem oder schwer erreichbarem Terrain. Dabei arbeitet die Bergwacht eng mit Hubschrauber-Teams zusammen, um – wie im Film – Verletzte per Winde aus einer der Wand zu retten oder Menschen aus stecken gebliebenen Seilbahnen zu evakuieren. Fast 13.000 Menschen benötigen jedes Jahr eine notfallmedizinische Versorgung durch die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Bergwacht. Das sind 1.083 pro Monat oder mehr als 35 pro Tag.

Dass nicht nur das Hochgebirge seine Tücken hat, zeigen die bundesweiten Einsatzzahlen. So gab es 2024 allein im niedersächsischen Harz 114 Bergungen. Dazu kommen 31 sonstige Hilfeleistungen wie Suchaktionen, Unterstützung bei Feuerwehreinsätzen und andere medizinische Hilfeleistungen ohne Transport. Manchmal ist es auch nur ein Pflaster, mit dem die Helferinnen und Helfer jemanden im Skigebiet versorgen oder bei kleineren Blessuren ein Kühlkissen.

Gemeinsame Trainings

Grundlage für die Arbeit der Retter ist eine gute Ausbildung und regelmäßiges Training. Ein Beispiel: Es ist Freitag, 17.30 Uhr, Dienstabend in St. Andreasberg. Gerade üben ehrenamtliche Kräfte der Bergwachtgruppen St. Andreasberg und Vienenburg gemeinsam. „Wir haben uns dafür ein kleines Szenario überlegt: Ein Waldarbeiter ist einen steilen Hang hinuntergegangen, dabei gestürzt und hat sich das Knie verletzt. Er kann sich nicht selbstständig aus seiner Lage retten“, erklärt Martina Trübel. Sie ist die stellvertretende Bereitschaftsleitung der Bergwacht St. Andreasberg und auf Kreisebene die technische Leiterin der Bergwacht. Mit mehreren Fahrzeugen und dem notwendigen Material sind die Einsatzkräfte angerückt, können aber nicht bis zur Einsatzstelle vorfahren. Dafür wird das Material auf einen Anhänger geladen und mit dem Quad quer durchs Gelände transportiert.

Anschließend werden die Aufgaben verteilt. Die einen befestigen Seile an einem Baum und bereiten eine sogenannte Seilsicherung vor. Die anderen suchen am Steilhang den verletzten Waldarbeiter. Als sie ihn gefunden haben, fragen sie ihn, was passiert ist und wie es ihm geht. Dann versorgen sie sein Knie und legen eine Vakuumschiene an.

Mit Gurten gesichert und einem Helm geschützt wird der Waldarbeiter in eine Gebirgstrage gehoben. Sowohl die Trage als auch die Helfer sind mit Seilen gesichert. Sie werden von ihren Kameraden mit Hilfe eines Flaschenzuges nach oben befördert. Langsam kommt die Gebirgstrage mit dem Patienten und den Rettenden auf dem Berggipfel an.

Während der ganzen Zeit sind die beiden Teams per Funkgerät in Kontakt und koordinieren den Rettungseinsatz miteinander. Oben angekommen wird ein Rad unter der Trage angebracht, sodass diese anschließend durch das Gelände geschoben werden kann – bis zu der Stelle, wo bei einem echten Notall der Rettungswagen vorfahren oder der Hubschrauber landen könnte. Zum Schluss wird das Material wieder vorschriftsmäßig zusammengepackt und in den Fahrzeugen verstaut.

Bei einem gemeinsamen Feedback blicken alle Beteiligten später noch einmal auf den Übungsablauf zurück. Diesmal profitierten insbesondere die Jüngeren von dem Training. „Nachwuchs können wir immer gebrauchen. Wer Lust hat zu helfen und in Teamarbeit die Bergwacht zu unterstützen, ist bei uns herzlich willkommen“, sagt Sascha Sommer, der neben seiner Arbeit bei einem Energieversorger in seiner Freizeit ehrenamtlich die Gruppe in Vienenburg leitet. Er ist Zugführer und Leiter der Bergwacht im Landkreis sowie Fachbeauftragter für die Bergwacht des DRK in Niedersachsen.

„Außerdem kann man bei uns eine Menge lernen, es macht Spaß und man kann sich viel draußen in der Natur bewegen. Neben dem Retten und sportlichen Programmen, gibt es darüber hinaus gemeinsame Aktivitäten, an denen man teilnehmen kann“, ergänzt Martina Trübel. Mehrere von ihnen werden auch auf der INTERSCHUTZ dabei sein, über ihre Arbeit berichten und Fragen beantworten.

Das DRK auf der INTERSCHUTZ

Das DRK ist im Bereich Rettungswesen in Halle 26 (Stände G39 und G29) und im Bereich Bevölkerungsschutz in Halle 17 (Stände E62 und F62) vertreten.

Ausstellungsbereich Rettungswesen Ausstellungsbereich Bevölkerungsschutz

*Vollständige Bildunterschrift "Die Bergretter“ im ZDF-Einsatz – hier in einer Szene für die Folge „Ausgesetzt (2)" am Samstag, 14. März, 19.25 Uhr, oder in der ZDF-Mediathek: Markus Kofler (Sebastian Ströbel, links) und Michael Dörfler (Robert Lohr). Foto: ZDF/Stephanie Kulbach