So funktioniert der Kauf eines Feuerwehrfahrzeugs
Wer sich privat ein neues Auto kauft, hat’s nicht immer einfach. Das Angebot ist riesig, und nicht nur die Farbe muss stimmen. Der Preis natürlich auch. Aber welche Marke soll es sein? Wieviel PS muss es haben? Fragen über Fragen. Doch irgendwann steht die Entscheidung fest. Aber habt Ihr Euch schon einmal gefragt, wie schwer es ist, ein Feuerwehrfahrzeug zu kaufen?
6. Jan. 2026Teilen
Gut‘ Ding will Weile haben
In Deutschland werden über alle Typen etwa 3.000 neue Fahrzeuge pro Jahr gekauft. Wer ist dafür zuständig? Wer entscheidet, was es denn sein darf? Und wie lange dauert so etwas?
Eines ist sicher: Rot muss es sein. Wir haben jemandem, der es wissen muss, ein paar Fragen rund um den Kauf eines Feuerwehrautos gestellt: Jörg Fiebach. Er ist Leitender Branddirektor bei der Feuerwehr München und hat erst kürzlich zu dem Thema die Fachempfehlung „Fahrzeugbeschaffung“ des Deutschen Feuerwehrverbandes verantwortlich verfasst.
Wie lange hält eigentlich normalerweise ein Feuerwehrfahrzeug, bis ein neues beschafft werden muss?
Jörg Fiebach: Ein Feuerwehrfahrzeug ist in Deutschland meist etwa 20 bis 25 Jahre im Dienst. Die Lebensdauer hängt natürlich stark von der Beanspruchung ab. Meist nehmen nach über 20 Jahren Betrieb die Reparaturen und damit die Unterhaltskosten und auch die Ausfallzeiten zu. Auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen für die alten Feuerwehrfahrzeuge wird dann zum Problem.
Wer entscheidet letzten Endes, wann ein neues Fahrzeug gebraucht wird? Und wie sieht solch ein Entscheidungsweg aus?
Jörg Fiebach: Die Entscheidungswege hierzu sind in den Kommunen unterschiedlich. In größeren Städten gibt es dazu interne Kfz-Gutachter, die den Zustand der Fahrzeuge beurteilen und diese dann alters- und verschleißbedingt zur Aussonderung empfehlen. So handelt es sich dann oft um einen klassischen „wirtschaftlichen Totalschaden“, z. B. weil Reparaturkosten (z.B. bei Rostschäden, Überholung einer Pumpe oder des Leiterparks einer Drehleiter) den aktuellen Zeitwert eines Fahrzeuges übersteigen. Diese Beurteilungen sollten mit etwas Vorlauf geschehen, um vor der endgültigen Aussonderung auch die Neubeschaffung tätigen zu können.
Wie orientiert sich der oder die Verantwortliche eigentlich, was alles auf dem Markt ist? Welche Rolle spielt zum Beispiel die INTERSCHUTZ?
Jörg Fiebach: Um ein neues Feuerwehrfahrzeug über die notwendige Ausschreibung beschaffen zu können, brauchen die Beschaffer einen guten Marktüberblick über die aktuellen Produkte und ihre Leistungsmerkmale. In der Ausschreibung müssen die Beschaffer ihre Leistungsanforderungen festlegen, die sinnvollerweise nach dem ausgerichtet sind, was auf dem Markt verfügbar ist. Auf der INTERSCHUTZ haben die Verantwortlichen und die an der Beschaffung Beteiligten die Möglichkeit, sich über viele Hersteller hinweg die aktuellen Produkte vorführen zu lassen. So können die Beschaffer am Ende eine Ausschreibung erstellen, die sorgfältig abgewogen ihre Leistungsanforderungen definiert und dabei den gewünschten Wettbewerb zwischen den Fahrzeuganbietern herstellt.
Was kostet ein Feuerwehrfahrzeug – von, bis… – vom Mannschaftstransportwagen bis zum großen Löschfahrzeug oder zur Drehleiter?
Jörg Fiebach: Ein einfach ausgestatteter Mannschaftstransportwagen beginnt bei etwa 70.000 Euro, ein Hilfeleistungslöschfahrzeug HLF 20 bei etwa 700.000 Euro. Eine Drehleiter DLA(K) 23-12 kostet rund ein Million Euro. Letztlich sind dies aber nur Größenordnungen, da die konkreten Fahrzeugpreise sehr von den gestellten Anforderungen an Fahrgestell, Aufbau und Beladung abhängen.
(Nicht nur) in Deutschland gibt es bekanntlich viele Vorschriften. Welche und wie viele gibt es bei der Beschaffung eines Feuerwehrfahrzeugs?
Jörg Fiebach: Letztlich gibt es eine riesige Fülle von Vorschriften, allein aus dem Kfz-Zulassungsrecht, für deren Einhaltung aber der Hersteller in erster Linie zuständig ist. Das Vergaberecht muss die Kommune bei der Fahrzeugbeschaffung einhalten. Klassische Regeln für Feuerwehrfahrzeuge, die aber vor allem unterstützende Wirkung haben, sind die Normen. So existiert für die gängigen Fahrzeugtypen jeweils eine Fahrzeugnorm, die vor allem die Eckpunkte hinsichtlich des Einsatzwertes beschreibt. Außerdem gibt es Normen, die allgemein für alle Fahrzeugtypen Anforderungen beschreiben z.B. für die Maße von Trittstufen und Sitzen, die Verrohrung von Tank und Pumpe oder eben auch der Farbgebung der Feuerwehrfahrzeuge. Hinzu kommen noch die vielen Normen für die allermeisten Beladungsbestandteile. Mit dem Verweis auf die Feuerwehrnormen ersparen sich die Beschaffer, selbst alle Details in der Ausschreibung festlegen zu müssen.
Wie lange dauert es vom Beschluss bis zur Übergabe?
Jörg Fiebach: Vom Beschluss, der oft auch ein formeller Beschluss des Stadt- oder Gemeinderates ist – je nach Geschäftsordnung und festgelegten Wertgrenzen der jeweiligen Kommune –, bis zur Übergabe vergehen oft drei Jahre. Für die Planung des neuen Fahrzeuges unter Einbeziehung der örtlichen Vorstellungen und Bedarfe inklusiver einer umfangreichen Markterkundung vergeht meist ein Jahr. Die Veröffentlichung der Ausschreibung, Auswertung der Angebote und das Abwarten möglicher Einsprüche dauert mindestens drei Monate. Und die Bauzeit des Fahrzeuges, zusammengesetzt aus Lieferzeit für das Fahrgestell und das Aufbauen des Feuerwehrfahrzeuges dauert aktuell mindestens 18 bis 24 Monate. Einige Aufbauhersteller haben derzeit auch noch längere Lieferzeiten.
In der Haushaltsplanung der Kommune werden die Fahrzeugbeschaffungen aufgrund ihres großen Finanzvolumens von den Kämmereien zur besseren Vorplanung oft schon in eine Fünf-Jahres-Vorplanung aufgenommen.
Man sieht, dass hier das alte Sprichwort „Gut Ding will Weile haben“ sehr zutreffend ist.
Mehr Infos
Mehr Infos zu dem Thema gibt es übrigens bei einer Online-Fortbildung des Deutschen Feuerwehrverbandes „DFV direkt“ am 20. Mai 2026 – also perfekt terminiert, um sich auf den Besuch der INTERSCHUTZ (1. bis 6. Juni 2026) vorzubereiten! Anmelden zur kostenlosen Fortbildung sind hier möglich.
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