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INTERSCHUTZ 2020 - 15. bis 20. Juni, Hannover
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Brandschutz

Brandschutz und Brandbekämpfung mit Wassernebel

Im Brandschutz braucht es oft Katastrophen, die einen weiteren Fortschritt bringen. Solch eine Katastrophe ereignete sich am 7. April 1990, als ein Feuer auf der Fähre "Scandinavian Star" 158 Menschen tötete. Dieses Unglück war der Startschuss für die Weiterentwicklung der Wassernebeltechnologie.

03.06.2019
IWMA - Quelle: VID Fire-Kill
Quelle: VID Fire-Kill

Die Idee zu dieser Technologie existierte schon länger. Am Ende des 19. Jahrhunderts produzierte die amerikanische Firma F.E. Myers ein System, das Wassertröpfchen versprühte und Feuerwehrmänner beim Kampf gegen kleinere Waldbrände auf dem Rücken tragen konnten. Etwas später entwickelte auch Grinnell eine Düse, die Feuer mit Tröpfchen bekämpfte. Doch erst 1978 kam ein Lehrbuch mit dem Titel "Fundamentals of Fire" heraus.

Wasser in Tröpfchen – kleiner als gemahlene Getreidekörner

Krister Giselsson und Mats Rosander schreiben darin, dass es in der Zukunft eine Flüssigkeit – zum Beispiel Wasser – geben wird, die, atomisiert zu Tröpfchen kleiner als gemahlene Getreidekörner, das wichtigste Brandbekämpfungsmittel in Gebäuden sein wird. Und es waren diese beiden Männer, die nach dem Brand auf der "Scandinavian Star" die Ergebnisse ihrer Forschungen präsentierten.

Hinzu kam die Verabschiedung des Montrealer Protokolls in den späten 1980ern. Thema war die Abschaffung von Stoffen, die zum Abbau der Ozonschicht führen. Beschlossen wurde unter anderem, die Nutzung von Halon als Brandbekämpfungsmittel auszuleiten. Diese Lücke sollte Wassernebel füllen.

IWMA - Quelle: VID Fire-Kill
Quelle: VID Fire-Kill

Wie funktioniert Wassernebel?

Was kann Wassernebel, was andere Brandbekämpfungsmittel nicht können? Eine Wassernebelanlage reduziert die Temperatur – und zwar deutlich stärker als eine traditionelle Sprinkleranlage. Personen und Sachgüter sind damit besser vor der Hitzeeinwirkung geschützt.

Darüber hinaus nimmt Wassernebel dem Feuer den Sauerstoff. Der Druck einer Niederdruckwassernebelanlage liegt bei unter 12,5 Bar. Hochdruckwassernebelanlagen arbeiten mit einem Druck zwischen 35 und inzwischen 200 Bar – in Zukunft könnte dieser Wert noch höher liegen.

Je höher der Druck, desto kleiner sind die austretenden Tröpfchen. Die Gesamtoberfläche der Tröpfchen wird größer, das Wasser wird zu Nebel und verdampft. Und dem Feuer geht der Sauerstoff aus. Dabei findet die Verdampfung nur dort statt, wo hohe Temperaturen erreicht werden. Dort, wo es nicht brennt, bildet sich auch kein Dampf. Dieser Bereich lässt sich daher als Fluchtweg nutzen.

Und es gibt weitere Vorteile: Wassernebel stellt keine Gefahr für den Menschen dar. Bei Ausbruch eines Feuers kann die Anlage sofort aktiviert werden. Im Vergleich zu einer Sprinkleranlage verbraucht eine Wassernebelanlage weniger Wasser. Die dünneren Rohre sind platz- und kostensparend. Außerdem lassen sich Wassernebelanlagen nachträglich einbauen.

IWMA Bettina McDowell - Quelle: Privat
IWMA Bettina McDowell (Quelle: privat)

Wassernebel für Wüsten, Museen oder Tunnel

Was die Liste der Anwendungen anbelangt, so fing alles im Off-Shore Bereich an, bei Schiffen und Ölplattformen. Hier fand auch die Forschung vor der Katastrophe auf der Scandinavian Star statt. Es ging also zunächst um Passagierkabinen und Maschinenräume. Heute werden Wassernebelanlagen verstärkt dort eingesetzt, wo Wasser rar ist – also zum Beispiel in den Wüstenstaaten des Mittleren Ostens.

Oft wählen Museen Wassernebel, um wertvolle Exponate zu schützen. Denn hier wäre das Problem neben der Zerstörung durch Feuer ebenso der Wasserschaden. Auch Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen und um ihrer selbst willen geschützt werden sollen, nutzen unauffällig installierte Wassernebelanlagen.

"Redner, die auf der jährlichen Wassernebel-Konferenz Anwendungen vorstellen, sprechen auch über Saunas, Rolltreppen, Serverräume, Bibliotheken, Kabeltunnel in Kraftwerken, Bahnhöfe und Druckereien. Prominente Anwendungsbeispiele sind die Elbphilharmonie, der Eurotunnel, der Uhrturm in Mekka, das Ungarische Parlamentsgebäude in Budapest und die St. Patrick’s Cathedral in New York."

Bettina McDowell, Geschäftsführerin der International Water Mist Association (IWMA)

Die nächste Wassernebel-Konferenz findet am 23. und 24. Oktober 2019 in Berlin statt.

Außerdem präsentiert sich die IWMA auf der INTERSCHUTZ 2020 als Gesprächspartner und Lieferant von Informationen. Am IWMA-Stand werden Verbandsvertreter Fragen beantworten, networken und mit potenziellen Kooperationspartnern über gemeinsamen Aktionen im Bereich Brandschutz sprechen. Mehr Informationen gibt es unter www.iwma.net .

Hintergrund IWMA

Die International Water Mist Association (IWMA) ist der Internationale Wassernebel-Verband. Gegründet 1998 in Magdeburg, hat der Verband seit 2012 seinen Sitz in Hamburg. Ziel des Verbands ist der fachliche Austausch.

Seit 2001 richtet die IWMA Seminare sowie jährliche Konferenzen aus: die International Water Mist Conferences. Diese dienen den "Wasserneblern" zum Erfahrungsaustausch. Außerdem bekommen Berufsgruppen, die sich mit dem Brandschutz befassen müssen, einen inhaltlichen Anlaufpunkt. Die Themen reichen von Anwendungsbeispielen bis hin zur wissenschaftlichen Forschung. Die Mitglieder der IWMA sind Hersteller, Vertriebler, Versicherungen, Forschungseinrichtungen oder Installationsbetriebe.

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