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INTERSCHUTZ 2020 - 15. bis 20. Juni
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Verleihung Genscher-Preis

und Johanniter-Juniorenpreis

Alle schritten sie ein, als Menschen in Gewässern in Not gerieten. Sie waren da und handelten ohne zu zögern. Damit bewiesen sie Mut, Entschlossenheit und Menschlichkeit. Dafür wurden sie am 10. Juni in Hannover während der INTERSCHUTZ 2015 ausgezeichnet.

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Der Johanniter-Juniorenpreis 2015

Die aus Seelze in der Region Hannover gebürtige Laudatorin Lina Larissa Strahl, Darstellerin der Hexe Bibi Blocksberg in den Filmen um „Bibi & Tina“ sowie Nachwuchs-Singer-Songwriterin, ehrte erstmals bei der Verleihung des Johanniter-Juniorenpreises einen Gleichaltrigen. Jordan Raß aus Herkenrath/Bergisch-Gladbach rettete Anfang Mai 2014 als 15-Jähriger eine Frau aus dem Rhein, bevor sie von der Strömung mitgerissen werden konnte. Er half der Frau, die kurz zuvor mit einem Kajak gekentert war und sich noch mit letzter Kraft an einer Verstrebung festhielt, auf eine Bootsplattform hinauf. Selbst in unsicherem Stand streckte er ihr beide Hände entgegen. Seinem couragierten Handeln ist es zu verdanken, dass das Unvermeidliche verhindert werden konnte. Immer wieder unterschätzen Menschen die starke Strömung und die Strudel des Rhein-Nebenarms bei Bornheim-Hersel. Auch das noch kühle Nass im Mai hatte der Frau bereits zugesetzt.

Der Hans-Dietrich-Genscher-Preis 2015

Noch kälter war es aber am 27. November 2014, um drei Uhr morgens in Cottbus-Forst: Bei minus zwei Grad haben die Polizisten Rico Berger (27) und Axel Voigt (49) zwei flüchtenden Einbrechern aus Polen geholfen. Die beiden Beamten der Polizeidirektion Cottbus Süd verfolgten mit anderen Kollegen die bei einem Einbruch Ertappten. Sie konnten kaum ihren Augen trauen, dass diese in die eiskalte Neiße sprangen, um sich einer Verhaftung zu entziehen. Der eine konnte mit Hilfe eines polnisch sprechenden Kollegen ans Ufer zurückgelotst werden. Der andere nahm diese Unterstützung nicht an. Dann wurde er von der Strömung mitgerissen und ging unter. Berger und Voigt schwammen zu dem Untergegangenen. Sie fanden ihn, brachten den Leblosen zurück ans Ufer und konnten ihn wiederbeleben. Dann doch noch ein trauriger Ausgang: Die Panik, der Schock des kalten Wassers, die Unterkühlung und die Bewusstlosigkeit setzten dem 28-Jährigen so zu, dass er trotz der erfolgreichen Reanimation auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb. Beide Retter nahmen dies niedergeschlagen auf. Aber die beeindruckte Jury ehrte mit ihrer Wahl das couragierte Eingreifen und auch das Über-sich-Hinauswachsen der Brandenburger Polizisten. Sie sahen die Menschen in Bedrängnis und schritten konsequent zur Tat.

Den Hans-Dietrich-Genscher-Preis überreichte in diesem Jahr der Herrenmeister des Johanniterordens, Dr. Oskar Prinz von Preußen. Seit 1693 stellt das Haus Hohenzollern die höchste Position des ältesten Ritterordens der Welt. Der Historiker und Medienberater übernahm die Laudatio, da leider der Namenspatron der Auszeichnung kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen musste. Bundesminister a. D. Hans-Dietrich Genscher bedauerte dies außerordentlich und sendete seine Grüße an alle Gäste des Festakts sowie den Preisträgern. Sein tiefempfundener Respekt gehöre allein ihnen und ihrer Leistung.

"Wer springt schon bei minus zwei Grad in einen dunklen, kalten Fluss?", so Dr. Oskar Prinz von Preußen über die beeindruckende Rettungstat der beiden Polizisten. "Aber es zeigt, dass man über sich hinauswachsen kann, um das Leben eines anderen Menschen zu retten."

Eine gesonderte Würdigung

In diesem Jahr kam es noch zu einer gesonderten Auszeichnung: Der sechsjährige Finn Scheuring, Sohn eines Kreisbrandmeisters aus dem unterfränkischen Rödelmaier, wurde heute zusätzlich geehrt. Er hat im Juni letzten Jahres als Fünfjähriger ein gleichaltriges Mädchen aus seiner Kindergartengruppe ganz alleine aus dem Dorfsee herausgeholt. Da es geregnet hatte, war die Uferböschung glitschig. Das Mädchen rutschte aus und tauchte bis zum Hals ab. Bei einem Besuch der Feuerwehr im Kindergarten hatte er sich eingeprägt, dass schnelles Handeln wichtig ist. Deswegen suchte Finn einen sicheren Halt, streckte beide Hände aus und half so seiner Freundin ans Ufer. Außer einem großen Schreck blieb das Mädchen unverletzt.

Die Meldung kam außer Konkurrenz, sie ist den Johannitern jedoch eine gesonderte Würdigung wert. Denn sie zeigt, dass schon bereits sehr junge Menschen verantwortungsvoll handeln. Diesem frühen Impuls des Helfens wird mit dem kindgerechten Konzept "Ersthelfer von Morgen" bei der JUH Rechnung getragen, das aktuell noch weiter ausgebaut wird. Bereits Kitakinder können einfache Schritte zur Ersten Hilfe erlernen. Damit wird in den ersten Lebensjahren die Bereitschaft zum Handeln unterstützt und dafür gesorgt, dass hier eine unverkrampfte Herangehensweise erhalten bleibt.

Mehr zu den Preisen

Der Hans-Dietrich-Genscher-Preis wird unter diesem Namen seit 1997 verliehen und ist mit 2 500 Euro dotiert. Seit 2003 wird der Johanniter-Juniorenpreis vergeben, der mit einem Sachpreis honoriert wird. Beide Auszeichnungen werden vom Landesverband Niedersachsen/Bremen der Johanniter-Unfall-Hilfe ausgelobt. Für die Ehrungen 2017 können ab Ende 2016 wieder Nominierungen eingereicht werden.

Weitere Informationen: www.genscherpreis.de

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